Klimakrise

Quellen

Wo, Was, Wer? Wie kann ich mich als Laie auf dem Laufenden halten? Wo werde ich seriös über Basics und Details der Klimakrise informiert? Auf dieser Seite stellt das KlimaKontor zuverlässige Quellen vor.

 

ALLGEMEIN / WISSENSCHAFT

KLIMAFAKTEN

Ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat (u.a. Prof. Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Potsdam) steht hinter «klimafakten». Unter dem Motto «Fakten statt Behauptungen» liegt der Schwerpunkt auf dem Themenfeld  Wissen/ Erkenntnisse und deren Vermittlung (z.B. auch für Akteur*innen aus der Wirtschaft). Von wissenschaftlichen Untersuchungen bis zu einer ausgewählten Serie an Infografiken oder einem umfangreichen Glossar hilft «klimafakten» bei vielen offenen Fragen weiter.

Webseite klimafakten
Glossar

UNTERSCHIED VON 0,5° FÜR DAS ALLTÄGLICHE LEBEN

Für alle, die finden, es komme nun sowieso nicht mehr drauf an, da die Erderwärmung nun einmal in Gang gesetzt ist …, macht diese Infografik auf einen Blick deutlich, was der kleine Unterschied von 0,5° für das alltägliche Leben in der Praxis bedeutet.

Infografik

TREIBHAUS — DER KLIMAPODCAST

Der Wissenschaftspodcast, der dir erzählt, was dein Alltag mit der Klimakrise zu tun hat: dein Müll, dein Internet, deine Tomaten, dein Bier – wir erzählen die Alltagsgeschichten. Nah, unmittelbar, wir befragen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und liefern Ideen, was getan werden kann. ein Podcast von Samuel Schläfli, Alexandra Baumgartner, Simon Jäggi, Olivier Christe, Céline Elber, Christoph Keller. Eine Produktion von podcastlab.

Klimapodcast

1,5 GRAD — NEUER KLIMAPODCAST MIT LUISA NEUBAUER

Luisa Neubauer: Ich mache diesen Podcast nicht, aus einem «lifelong dream to be podcaster» heraus, sondern weil ich das Gefühl habe, es gibt noch nicht DEN einen Klima-Podcast, auf den man verweisen kann. Wenn jemand sagt «ich möchte etwas über die Klimakrise lernen» und vor allem verstehen möchte, warum diese sie oder ihn etwas angeht, dann möchte ich sagen können «okay, hör dir diesen Podcast an». Und da sollte es nicht nur einen, sondern viele geben. Ich habe bisher ehrlicherweise keinen gefunden bei dem ich das Gefühl hatte, die vermitteln nicht nur Wissen, die vermitteln auch Gefühle, Haltung, Sorgen, Ängste und auch Hoffnung. Aus dieser Motivation heraus ist «1,5 Grad» entstanden und jetzt freue ich mich total, dass es losgeht.

Klimapodcast

 

ALLGEMEIN

AKTUELLER STAND DER KRISE

«klimareporter» bietet umfassende Informationen zum aktuellen Stand rund um die Klimakrise. Tagesaktuelle Publikationen auf der Startseite, und über die Suchfunktion kann gezielt recherchiert werden. «klimareporter» ist das erste unabhängige Online-Magazin zu Klimawandel und Energiewende im deutschsprachigen Raum. Die Redaktion besteht aus erfahrene Fachjournalist*innen, den Herausgeberrat bilden führende Grössen der Klimaforschung wie Prof. Claudia Kemfert, Andreas Knie oder Prof. Hartmut Graßl. Das Angebot wird ergänzt durch einen Newsletter und einen wöchentlichen Podcast.

Webseite klimareporter

 

ALLGEMEIN / WISSENSCHAFT / KLIMAPOLITIK

KLIMASCHUTZ SCHWEIZ

Klimaschutz Schweiz veröffentlicht unter dem Menupunkt «Climate Update», betreut von Marcel Hänggi, wöchentlich jeweils am Mittwoch eine aktuelle Liste mit Links zu Nachrichten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Bewegung und Kultur rund um die Klimakrise.

Climate Update

GLETSCHER-INITIATIVE

Neben Fragen, Antworten und Argumenten bietet die Webseite der Gletscher-Initiative  in einen Blog mit Updates zu klimapolitischen Themen.

Webseite Gletscher-Initiative
Blog Gletscher-Initiative

 

WISSENSCHAFT

INTERVIEW MIT RETO KNUTTI

Ein Interview mit Reto Knutti, dem mehrfach ausgezeichneten Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich. Aufschlussreich und spannend, auch wenn das Gespräch bereits 2019 geführt wurde. Und ein Porträt des Wissenschaftlers in der NZZ vom Februar 2020.

Reto Knutti, Republik
Reto Knutti, NZZ

POTSDAM INSTITUT FÜR KLIMAFOLGENFORSCHUNG (PIK)

Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist eine der weltweit wichtigsten klimawissenschaftlichen Institutionen. Forscher*innen aus den Naturwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften arbeiten eng zusammen. Das PIK arbeitet mit System- und Szenarienanalysen, quantitativen und qualitativen Modellierungen, Computersimulation und Datenintegration. Es ist u.a. tätig für das IPCC bei seiner Darstellung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes über die Globale Erwärmung. Die Webseite bietet z.B. unter «Themen» Zugang zu komplexen Fragen wie «Kipp-Elemente» oder «Globale Gemeinschaftsgüter», mit aktuellen Publikationen und Vorträgen.

Webseite PIK
Wikipediaeintrag IPPC
Wikipediaeintrag «Globale Erwärmung»

PERSÖNLICHE WEBSITE VON STEFAN RAHMSTORF

Persönliche Website des am Institut für Klimafolgenforschung PIK tätigen Stefan Rahmstorf – ein weltweit führender Ozeanograph und Paläo-Klimatologe. Rahmstorf gehört zu den Wissenschaftler*innen, die schon vor vielen  Jahren verstanden haben, dass die Klimakrise so bedrohlich ist, dass es unverantwortlich wäre, als Wissenschaftler auf diesem Gebiet die Arbeit ausschliesslich im geschützten Rahmen der «Reinen Forschung» zu betreiben. Regelmässig schreibt Rahmstorf Gastbeiträge in DER SPIEGEL für die breite Öffentlichkeit.

Website Stefan Rahmstorf
Gastbeiträge Rahmstorf in DER SPIEGEL

 

KLIMAKLAGEN

WARUM KLIMASCHUTZ JURISTISCH EINGEKLAGT WERDEN KANN

In diesem kurzen Videointerview erklärt Roda Verheyen, eine international renommierte Anwältin in Klimaschutzfragen, warum Klimaschutz juristisch eingeklagt werden kann und muss: «Wir sind aus der Zeit heraus, in der Klimaschutz eine diplomatische oder politische Ermessensentscheidung ist. Es geht hier um Menschenrechtsschutz, und den muss man aus meiner Sicht auch einklagen können.»

Videointerview mit Roda Verheyen

WELTWEITE KLIMA-KLAGEN

Diese von der US-amerikanischen Columbia Law school initiierte Seite versammelt weltweite Klima-Klagen; monatlich wird der Stand der Gerichtsprozessen aktualisiert, soweit zugänglich, werden die entsprechenden Unterlagen zu den einzelnen Fällen verlinkt.

Datenbanken für Rechtsstreitigkeiten zum Klimawandel

KOMMUNIKATION / VERMITTLUNG

Ein offener Brief der Journalistin Sara Schurmann (Zeit online, Tagesspiegel u.v.a.) vom 7.9.2020 an ihre Fachkolleg*innen auf dem Portal ÜBER MEDIEN zur gegenwärtigen Berichterstattung über die Klimakrise: Mit „Journalist*innen, nehmt die Klimakrise endlich ernst!», möchte Sara Schumann eine Debatte zur Frage anstiften, warum sich das Ausmass der Bedrohung nur ansatzweise in der Berichterstattung wieder findet.

Offener Brief der Journalistin Sara Schurmann

Die Fakten und wir

DIE FAKTEN UND WIR

So gross wie Irland ist die Landfläche, die Jahr für Jahr zu Wüste wird. So gross wie ganz Paris der Eisbrocken, der im September 2020 vom grössten arktischen Gletscher Grönlands abbricht. Und die Liste der Tropenstürme ist so lang geworden, dass das Alphabet in diesem Jahr nicht reicht: Von Arthur bis Wilfried sind alle Buchstaben vergeben – die Weltwetterorganisation weicht auf das Griechische Alphabet aus, und schon Mitte November ist sie bei «Iota» angelangt. – Was braucht es noch, bis wir begreifen, dass wir umsteuern müssen, und es tun?

«Wir müssen deutlicher kommunizieren, was uns aufgrund des Klimawandels droht,» sagt die deutsche Ozeanologin Prof. Antje Boetius, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und vieler weiterer Auszeichnungen. «Die Klimapolitik muss lernen, dass wir in einer Klimakrise stecken, die zunehmend auch die Biodiversitätskrise verschlimmert, aus der wiederum Krisen wie Pandemien hervorgehen. (…) Dass es dabei auch essentiell ist, ehrlich die Frage von Leben und Tod anzusprechen. Wir müssen direkt und ehrlich den Menschen vermitteln, welche Krise kommt. Welches Sterben, welches Leid Klimawandel verursacht.» (Dt. Klimakonsortium, 26.10.2020)

20. August 2018
Leichter Wind. Ein Stapel Blätter, beschwert von einem Stein, liegt auf dem Pflaster. «Ich habe ein paar Fakten mitgebracht. Da steht auch immer eine Quellenangabe dabei.» So tritt das Mädchen, das von nun an jeden Freitag in Stockholm auf der Strasse sitzt, zum ersten Mal in Kontakt mit der Öffentlichkeit.

Fakten. Wir können sie manchmal nicht mehr hören, noch bevor wir sie verstehen. 

Warum ist das so? Sind es zu viele? Sind sie uns zu viel? Sind sie zu komplex, zu trocken, zu verflochten, zu unglaublich, zu erschütternd, zu abstrakt? Sind sie zu verstörend – oder einfach störend? Fakt ist: Sie sind da. Und sie stehen mehr und mehr im Weg, wenn wir einen Bogen machen drum herum. Fakten sind keine Glaubensfrage – nur: Solange wir sie für unglaublich halten, obwohl wir sie kennen, können wir sie gar nicht begreifen. Andererseits – wenn wir sie einmal begriffen haben, wird es fast unmöglich sein, nicht zu handeln. Und deswegen finden sich auch hier, auf der Homepage des KlimaKontors, Fakten zur Klimakrise. 

Dass Fakten nicht einfach wieder verschwinden, wissen auch die, deren ökonomischer Erfolg und Machtposition auf Strukturen basiert, die sich fundamental ändern müssen. Daher hat z.B. die Ölindustrie schon vor über 50 Jahren mit viel Aufwand, Geld und Unverfrorenheit damit begonnen, eigene «Fakten» zu schaffen. Zweifel zu säen. Mit einer hausgemachten Pseudo-Wissenschaft – und mit anhaltendem Erfolg, bis heute. 

Auch deswegen finden sich auf dieser Homepage Fakten zur Klimakrise.

 

CHRONOLOGIE 

Schon 1843 wusste Alexander von Humboldt: «Der Mensch verändert das Klima. Durch Fällen der Wälder, durch Veränderung in der Verteilung der Gewässer und durch die Entwicklung grosser Dampf- und Gasmassen an den Mittelpunkten der Industrie.“ Denn bereits zwanzig Jahre davor, 1824, hatte der geniale Mathematiker Jean-Baptiste Fourier die Energiebilanz von Planeten beschrieben und den «Treibhauseffekt» erklärt.

Und 1856 war es eine US-Frauenrechtlerin, die nahezu vergessene Eunice Newton Foote, die den Zusammenhang zwischen CO2 und Erderwärmung erkannte. Sie untersuchte die Auswirkung von Sonneneinstrahlung auf verschiedene Gasgemische, konstatierte eine starke Erwärmung bei erhöhter CO2-Konzentration und folgerte daraus: «Wenn irgendwann in der Erdgeschichte der Luft ein grösserer Anteil davon beigemischt war als heute, musste sich daraus zwangsläufig eine erhöhte Temperatur ergeben.» (Als Frau war es ihr allerdings nicht erlaubt, ihren Vortrag selber zu halten. Ein Professor präsentierte an ihrer Stelle die Untersuchung, und in der folgenden Publikation heisst es «This we are happy to say was done by a Lady.»)

Als 3 Jahre später, unabhängig davon, John Tyndall in England mit präziseren Messungen CO2-Moleküle als Wärmespeicher bzw. «Treibhausgas» identifiziert, ist der Zusammenhang ein für alle Mal klar – und das Fundament für die Klimawissenschaft gelegt. Die entsprechende Erderwärmung durch das zusätzliche CO2, das die Industrialisierung freisetzt, wurde damals bereits genau (voraus-)berechnet … Als bedrohlich hat man sie aber noch nicht empfunden. Auf die Idee, dass bei steigenden Temperaturen auch der Meeresspiegel steigen würde, ist niemand gekommen. Es gab sogar Vorschläge, ungenutzte Kohleflöze einfach abzufackeln, um durch den Treibhauseffekt in kalten Weltregionen Anbauflächen zu gewinnen und aufs Heizen verzichten zu können!

1965 beginnt mit Charles Keeling, der eigentlich die saisonale Schwankung der CO2-Konzentration untersuchen wollte und dafür eine hochpräzise Messmethode für atmosphärisches CO2  entwickelt hatte, die moderne Klimaforschung – und das Zeitalter der (fehlenden) Klimapolitik. Denn zusammen mit seinen Kollegen informierte Keeling damals den US-Präsidenten Johnson über einen beunruhigenden Befund: Der CO2-Gehalt steigt – von Jahr zu Jahr:

«Pollutants have altered on a global scale the carbon dioxide content of the air and the lead concentrations in ocean waters and human populations. (…) Through his worldwide industrial civilization, Man is unwittingly conducting a vast geophysical experiment. Within a few generations he is burning the fossil fuels that slowly accumulated in the earth over the past 500 million years … The climatic changes that may be produced by the increased CO2 content could be deleterious from the point of view of human beings. The possibilities of deliberately bringing about countervailing climatic changes therefore need to be thoroughly explored.»

Die entsprechende Prognose zur Erderwärmung ist heute als «Keeling-Kurve» weltbekannt, sie hat die inzwischen eingetretene Erderwärmung präzis vorausgesagt. Keelings dringlicher Appell an die Politik, so schnell wie möglich von fossilen Rohstoffen auf andere Energiequellen umzusteigen, alarmierte damals – auch und vor allem die Ölindustrie. Da deren Archive heute zugänglich sind, wissen wir nachweislich: Nach Keelings Brief begann 1965 der Aufstand der Industrie gegen die Wahrheit. 

Er weitete sich aus. Zu einem bis heute andauernder, unablässig durch die Medien schwelenden «Krieg gegen das Wissen». Ein wichtiger Katalysator dafür waren 1988 die Ausführungen des Klimawissenschaftlers James E. Hansen (Direktor des Goddard Institute for Space Studies GISS der NASA und Professor für Erd- und Umweltwissenschaften, Columbia University) vor dem amerikanischen Senat: Eindringlich warnte Jansen vor den unumkehrbaren Folgen des Klimawandels. Seine Modellierungen und Prognosen waren mit ausschlaggebend für die Gründung des Weltklimarats Anfang der 90erjahre, und läuteten bei Konzernen wie Exxon Mobil eine neue Stufe der Mobilmachung aus: Systematisch wird fortan die Wissenschaft torpediert, ihre Reputation mit unwissenschaftlichen Pseudo-Gutachten und millionenschweren Desinformationskampagnen (auch im Bereich Erneuerbare Energien) beschädigt, um Bemühungen um die Klimaregulierung auszubremsen (intern orientierte sich das Konzern-Management selbstredend trotzdem an den Ekenntnissen der Wissenschaft).

 

WO WIR STEHEN

Klimawandel, Artensterben, Umweltvermüllung und Luftverschmutzung haben sich zu einer globalen Öko-Krise verdichtet. Der masslose Verbrauch an fossilen Ressourcen richtet in der sensiblen Gashülle, die auf dem blauen Planeten Leben erst möglich macht, irreparable Schäden an. Die Erde heizt sich auf. Mit verheerenden Folgen – weil alles mit allem zusammen hängt:

… mehr Treibhausgasmoleküle in der Atmosphäre speichern mehr Wärme, die Ozeane erwärmen sich mit, dehnen sich aus, der Wasserspiegel steigt … Der Golfstrom verlangsamt sich mit langfristig unabsehrbaren Folgen, Gletscher und Eisschilde schmelzen, der Wasserspiegel steigt zusätzlich, verschwundene Eisflächen sorgen für weitere Erwärmung, weil dunkle Flächen die Sonneneinstrahlung absorbieren und nicht, wie das helle Eis, zurückspiegeln – es wird also noch schneller wärmer … Permafrost schmilzt, dadurch entweicht über Jahrmillionen gespeichertes Methan schlagartig aus schmelzenden Landstrichen, die sich in unfruchtbaren Matsch verwandeln, Habitate schrumpfen schneller, als Arten sich anpassen können, Ökosysteme kollabieren … der Rückzug der Gletscher hinterlässt in den Siedlungen Trinkwassermangel im Sommer und ein instabil gewordenes, mit Schmelzwasser beschwertes Gelände in der Höhe, das in gebirgigen Regionen weltweit wie ein Damoklesschwert über Siedlungen hängt … Die wärmeren Meere versauern, weil sie immer mehr CO2 speichern müssen … und mit der Wärme speichern sie auch ungeheure Mengen an Energie, die sich in immer heftigeren Stürmen entlädt, so dass Sturmfluten immer häufiger immer grössere Küstenstriche verwüsten, Städte zerstören, fruchtbares Hinterland wegschwemmen, Menschen in die Flucht treiben … Während die wärmere Atmosphäre im Binnenland zu wochen- und monatelang stabil bleibenden Wetterlagen führt, so dass es immer seltener regnet, vertrocknete Böden noch unfruchtbarer werden, Bäume dem Trockenstress nicht mehr standhalten, was die Dürre, die Unfruchtbarkeit, Ernteausfälle, Hunger, Kriege und Fluchtbewegungen verstärkt … und so weiter …

Das ist kein dystopisches Zukunftsszenario, es ist die Gegenwart, in der wir leben. Die Spirale der Klimakrise trifft besonders im globalen Süden schon jetzt, und immer öfter mit tödlicher Wucht, genau jene, die am wenigsten dazu beitragen. Denn 50% der weltweiten Emissionen werden von den reichsten 10% der Weltbevölkerung verursacht. Das wohlhabendste Fünftel der Menschheit ist verantwortlich für 70% der Treibhausgase. Und umgekehrt trägt die ärmere Hälfte (!) der Menschheit insgesamt gerade einmal 10% zur Erderwärmung bei … 

Mit der Klimafrage stellt sich somit, unausweichlich und ultimativ, die Frage nach Gerechtigkeit und Verantwortung. Die «Klimajugend», die als erste Generation in der globalisierten Welt aufgewachsen ist, konfrontiert politische Entscheidungsträger, Wirtschaft und Gesellschaft mit der nackten Wahrheit des globalisierten 21. Jahrhunderts, wenn sie fordert: Climate Justice – NOW. Denn die Klima-Gerechtigkeitsfrage lässt sich nicht mehr aufschieben. Für die Bewohner*innen der Marshall-Inseln beispielsweise, die jetzt umsiedeln müssen, weil ihre Heimat jetzt im Meer versinkt, kommen Versprechungen auf künftigen Ausgleich, künftige Umorientierung, künftiges Umsteuern, zu spät. Wir alle müssen uns der Frage stellen: Aus welcher Perspektive schauen wir eigentlich auf die ausgetrocknete, überschwemmte, brennende, schmelzende, ins Rutschen geratene Welt?

Die Menschheit steht mit der Klimakrise zweifelsohne, über alle politischen, kulturellen und ethnischen Grenzen hinweg, vor einer beispiellosen Herausforderung. Wie wir uns fortbewegen, arbeiten, anbauen, Strom produzieren, essen, wohnen, konsumieren, uns als Spezies ausbreiten … alles muss sich ändern — und das Zeitfenster dafür schiebt sich zu, Jahr für Jahr, Monat für Monat. Und was geschieht? Praktisch nichts. Jahr für Jahr, Monat für Monat. 

Wir tun einfach so, als hätten wir Zeit. 

Da wir die CO2-Moleküle genauso wenig mit Händen greifen können wie das Virus, das uns derzeit auf Trab hält, stecken wir fest. Wider besseres Wissen. In der Illusion einer Gegenwart, die eigentlich längst verschwunden ist. Denn das System ändert sich schnell – und langsam zugleich: Die vorgestern ausgelösten Klimaveränderungen sind noch gar nicht da! Selbst wenn wir ab sofort nichts mehr verbrennen würden, würde es weiter wärmer werden, noch jahrzehnte-, jahrhundertelang …

 

UNSERE AUSREDEN

Aber …

… eigentlich ist doch meistens alles noch wie immer, oder? Gelegentliche Dürren, Stürme, Fluten, Bergstürze, Müll und Hitze – hat es das nicht immer gegeben? Ok, der Amazonas brennt, das ist nicht gut. Aber weit weg…

In der gobalisierten Welt des 21. Jahrhunderts ist nichts weit weg. Es gibt eine Handvoll Kontinente, viele Nationen, aber nur eine Atmosphäre – und der ist es egal, wieviele Klimagipfel stattfinden, wieviele Verträge geschlossen werden, wieviele Elektroaustos wir (ver)kaufen und an welcher Stelle auf dem Globus Treibhausgas frei gesetzt wird. Sie zählt nur die Tonnen. Unbestechlich. Global. In ppm (part per million) und ppb (parts per billion). Der Anteil an CO2 (um das wichtigste Treibhausgas, neben Methan und Lachgas, zu nennen) lag vor der Industrialisierung über Hunderttausende von Jahren konstant bei 280 ppm. Heute beträgt er knapp 420. Und die Konzentration nimmt weiterhin, immer schneller zu: Jahr für Jahr um derzeit über 3 ppm. Wenn 450 ppm erreicht sind, ist die 2°-Plus-Welt noch das beste Szenario, das uns erwartet. – Äh … nochmal … 

Wenn 450 ppm erreicht sind, ist die 2°-Plus-Welt noch das beste Szenario, das uns erwartet. 420 plus wieviel = 450? 30 geteilt durch 3 … In 10 Jahren ist unser Budget aufgebraucht. 2030 müssen die Emissionen bei Netto Null sein. 

Wohlverstanden: selbst wenn wir das erreichen, verfehlen wir das Pariser Abkommen («deutlich unter 2°»), zu dessen Einhaltung sich fast alle Staaten verbindlich verpflichtet haben.

Aber …

 … ein paar Zehntel Grad mehr oder weniger, ist das wirklich so gravierdend? 

Ja, ist es. Auch wenn es die Grenzen unserer Vorstellung sprengt: Als es vor 20’000 Jahren 4° kälter war als heute, bedeckte eine 1000 Meter dicke Eisschicht den heutigen Bodensee. Und die Erderwärmung, die auf diese Eiszeit folgte, erstreckte sich über einen Zeitraum von immerhin 12’000 Jahren, so dass die Natur mit ihrer Anpassung Schritt halten konnte – demgegenüber sind die 150 Jahre seit Beginn der Industrialisierung, in denen es bereits 1,2° wärmer geworden ist, ein Wimpernschlag.

Aber … 

… wir können doch deswegen nicht alles umkrempeln? 

Doch, wir können. Es fehlt nur der Mut zum Bekenntnis, dass «Weiter-So» keine Option ist. 

«We need to treat the climate crisis as a crisis. It’s just as simple as that. The climate crisis has never once been treated as a crisis and unless we treat it as a crisis we won’t be able to, so-called, ‘solve’ it.» (Greta Thunberg, Brüssel, Weltklimatag 2020)

Es fehlt der politische Wille zur Transformation. Dafür müssen wir Prioritäten umschichten. Im Kopf, im System, in den Gesetzen, in der (energie-) wirtschaftlichen und alltäglich-individuellen Praxis. Weg vom Überkonsum, weg von den fossilen Subventionsstrukturen des Industriezeitalters, und weg vom Wachstumsparadigma. Hin zu sinnvollen Kreisläufen. Und zu einer parlamentarischen Demokratie für das 21. Jahrhundert, in der nicht die Industrielobby, sondern die Expertise von Wissenschaft und NGO’s Gehör findet und Weichen stellt. Denn im «Anthropozän» anzukommen bedeutet, Fakten zur Kenntnis nehmen zu können. Hinzuhören. Zu verstehen, dass Systeme komplex ineinander verschränkt sind. Zu lernen, dementsprechend verantwortlich zu kommunizieren, und auch dem Nichtwissen, dem «noch nicht Wissen» Platz einzuräumen. In der gegenwärtigen Covid-Krise beweist die Menschheit zumindest ansatzweise, dass das geht. Weil es notwendig ist. Und weil die allermeisten mitziehen – wenn wir einmal verstanden haben, dass es notwendig ist.

Wie in einem globalen Crash-Kurs erleben wir zurzeit live, was exponentielles Wachstum heißt, und wie Prozesse ausser Kontrolle geraten, wenn wir uns nicht an den Fakten orientieren, die Wissenschaftler*innen liefern. Wie sich unser Handeln von gestern mit aller Macht auswirkt, auch wenn dies erst übermorgen sichtbar wird. Ist die Covid-Krise ein Trainingscamp für die Menschheit, im Hinblick auf das, was uns mit dem Klima bevorsteht? Tatsächlich setzt die erdgeschichtlich gesehen plötzlich eintretende Erhitzung, die unsere Lebensweise ausgelöst hat, unumkehrbare Kettenreaktionen in Gang, die unsere Lebensgrundlagen zerstören. 

Auch wenn zu viele Faktoren mitwirken, um den genauen Zeitpunkt zu berechnen, an dem das öko-klimatische System kippt, sind sie alle unbestritten wirksam und potenzieren einander wechselseitig, was die Berechnung aufgrund von Rückkopplungen an Kippunkten noch komplizierter macht. Fest steht: das CO2-Budget ist nicht verhandelbar. Der Atmosphäre ist unser Wirtschaftswachstum egal. Und deswegen geht es in dieser Krise, im Unterschied zu allem, was wir bisher kannten, um alles. Jetzt.

Inspiration

Wir sind auf dem Holzweg. Verloren, ratlos und paralysiert stehen wir im Wald. In der Natur, in der Biosphäre, unserer Lebensgrundlage. Wir finden nicht weiter. Genau darin liegt die Chance. Jetzt können wir uns neu orientieren. Dafür brauchen wir Kunst. Denn Kunst kann, was uns selbst so schlecht gelingt: Unsere bestehenden Gewohnheiten hinterfragen, durcheinanderbringen, sie neu anordnen, kreativ brechen, spielerisch zu alternativen Lebensentwürfen anregen und Lust entfachen, uns selbst neu zu gestalten.

Es fehlt nicht an Möglichkeiten, aber an einer inspirierenden Wirklichkeit. Zu dieser wollen wir beitragen.

Hier entsteht eine wachsende Sammlung von Links zu jenen, die uns und unsere Projekte inspirieren.

 

AUS AKTUELLEM ANLASS

UND ALLE TIERE RUFEN: DIESER TITEL RETTET DIE WELT AUCH NICHT MEHR (UA)
Live-Hörspiel von Thomas Köck

Die verschwundenen Tiere dieser Welt melden sich zu Wort. Ein vielstimmiger Abgesang an die Fauna und die Menschheit: ein Requiem-Manifesto. Ein Hörspiel – live übertragen vom Kunstfest Weimar. UA am www.kunstfest-weimar.de

Auf Nachtkritik schreibt Harald Raab unter dem Titel «Sound of Extinction»: (…) An vier Mikrophonen sind in wechselnder Besetzung Astrid Meyerfeldt, Sarah Sophia Meyer, Nico Link und Janus Torp zugange, ihre Manuskriptseiten abzuarbeiten. Klingt fad. Aber gerade in der sprachlichen Umsetzung des Köck-Textes läuft die Chose zu einem brillanten Hör-Erlebnis auf. Die Sprechkompetenz der beiden Frauen und zwei Männern und die Regie lassen Köcks Sprachgewitter, seine intelligenten Worterfindungen leuchten. Hier wird der „sound of extinction“ mit Glanz und Gloria, Trauer und Zorn zelebriert. Große Sprachoper. Der Text wird zu einem gewaltigen, farbenprächtigen Bildtableau im Kopf, zum Weltuntergangstheater barocker Überwältigungskraft. (…) Der ganze Text

Und hier geht es zum Hörspiel – 53 min – 9.08.2021

 

COHABITATION — EIN MANIFEST FÜR SOLIDARITÄT VON TIEREN UND MENSCHEN IM STADTRAUM

Städte boten immer schon Habitate für viele, auch nicht menschliche Spezies. Aktuell nimmt die Migration von Tieren in die Städte weltweit sogar zu. Das Projekt Cohabitation plädiert für eine grundsätzlich erweiterte Stadtvorstellung, in der Tiere und Menschen gleichberechtigt existieren.

https://archplus.net/de/cohabitation/

WE ARE SCIENTISTS, CALLING FOR A CLIMATE REVOLUTION

We are announcing our first Global Scientist Rebellion Action – March 25th-28th!
Today we’ve started emailing the 70,000 email addresses we’ve collected from university websites, asking academics from around the world to join us in direct action. To go beyond making warnings that fall on deaf ears, and to act as if the truth is real.Only then can the public trust the science enough to create the climate revolution we desperately need.

Link zu Webseite

LANDWIRTSCHAFT – MIT DER NATUR! (DOK-FILM)

Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist die Produktion von Nahrungsmitteln zu einem industrialisierten Business geworden. Die Natur kommt dadurch in unseren Kulturlandschaften oft buchstäblich unter die riesigen Räder der Landmaschinen: Insekten nehmen dramatisch ab und mit ihnen Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien und Amphibien. Lebewesen in Bächen und Flüssen werden Opfer von Giftstoffen aus der Landwirtschaft und das Grundwasser ist oft weit über die Grenzwerte belastet. Muss das sein? Ist das der Preis, um die Bevölkerung zu ernähren? Oder geht es auch anders? Der Film zeigt Pioniere einer anderen Landwirtschaft, die die Natur – die Lebensgemeinschaften eines natürlichen Waldes – als Vorbild nehmen, um mit Heerscharen von Kleinlebewesen im Boden, mit Pilzen und innovativen Kombinationen von Pflanzen, rückstandsfreie, wertvolle Lebensmittel zu produzieren: faszinierende Ideen für eine neue Landwirtschaft mit Hilfe der Natur. (Ein unerwartet beherzter Aufruf zum „System-Wechsel“ im Umgang mit dem Boden!)

Netz-Natur-Film von SRF

IM KÖNIGREICH DER PILZE (DOK-FILM)

Im Verborgenen liegt ein Reich, das unbemerkt das Leben regiert. Eine fremde Welt mit den größten und ältesten lebenden Organismen auf der Erde: Pilze. Ihren Eigenschaften und Fähigkeiten verdanken alle Lebewesen ihre Existenz. Wissenschaftler auf der ganzen Welt beginnen gerade erst zu verstehen, welche Bedeutung Pilze überhaupt haben.

Arte-Dokumention auf YouTube

 

AUSSTELLUNGEN

SERPENTINE GALLERY

Eine Vielzahl spannender Podcasts, inspirierender Interviews u.a. das mehrjährige Projekt Back to Earth,  das über sechzig führende Künstler*innen, Architekt*innen, Dichter*innen, Filmemacher*inne, Wissenschaftler*innen, Denker*innen und Designer*inne einlädt, Initiativen zu entwickeln, die auf die Umweltkrise reagieren.

Webseite Sepentine Gallery

CRITICAL ZONES — HORIZONTE EINER NEUEN ERDPOLITIK (AUSSTELLUNG)

Lange blieben die Reaktionen der Erde auf unser menschliches Handeln unbeachtet, doch spätestens mit der Protestbewegung Fridays for Future ist die Klimakrise in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Gedankenausstellung »CRITICAL ZONES« lädt dazu ein, sich mit der KRITISCHEN Lage der Erde auf vielfältige Art und Weise zu befassen und neue Modi des Zusammenlebens zwischen allen Lebensformen zu erkunden.

Webseite der Ausstellung im ZKM Karlsruhe

 

THEATER UND KLIMA

KLIMA TRIFFT THEATER — VON DER ERZÄHLBARKEIT DER KLIMAKRISE

Das Theater ist seit Aristoteles mit menschlichem Handeln befasst und mit den Auswirkungen dieses Handelns – auf Mitmenschen. Tun, Leiden, Lernen, so geht der Kreislauf zwischen Mensch und Mensch. Aber genügt diese anthropozentrische Sichtweise auf handelnde Menschen heute noch? Wie umgehen mit den weiterreichenden, externen Effekten dieses Tuns und Leidens?

Link zur Webseite der Heinrich Böll Stiftung

DOSSIER – THEATER UND KLIMAKRISE AUF NACHTKRITIK

Das Thema «Klimakrise», in den Wissenschaften seit Jahrzehnten Forschungsgegenstand, wurde im Theater wie in der Politik lange Zeit vergleichsweise randständig behandelt. Angestoßen durch die #FridaysforFuture-Bewegung kommt dem Gegenstand nunmehr vertärkt Aufmerksamkeit zu. Dieses Dossier erfasst Theaterarbeiten, die die Fragestellung der Klimakrise aufgeworfen haben und von nachtkritik.de besprochen wurden.

Link zur Seite von nachtkritik

THEATER KLIMANEUTRAL? (2021)

Die Debatte zum Klimawandel wird auch in den Theatern künstlerisch reflektiert. Hier werden wichtige Impulse gesetzt, die im gesellschaftlichen Diskurs sensibilisieren. Aber wie steht es um die eigene Klimabilanz der Stadt- und Staatstheater? Wie lässt sich nachhaltiges Handeln in den Theatern weiter vorantreiben, ohne die Kunstfreiheit zu beschneiden?

Link zur Debatte von Körber-Stiftung und nachtkritik

ECOSALOONtv

Die Videoserie zur Livestream-Diskussion „Theater klimaneutral? von nachtkritik und Körber-Stiftung im Januar 2021.

Link zu den Filmen